My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Der Weg nach Hause schien mir diesmal eine Ewigkeit lang. Alles begann gegen acht Uhr abends am Tor von LPC. Gut zwanzig Second- und Firstyears warteten am Tor auf Michi und mich, um sich zu verabschieden. Ich würde ja gerne sagen, dass diesmal nicht geweint wurde, aber das wäre dann eine Lüge. Allerdings gab es auch die größten und längsten Bärenumarmungen, die man sich vorstellen kann. Michi und ich hatten wirklich gut daran getan, eine halbe Stunde vor unserer eigentlichen Abfahrtszeit ans Tor zu kommen – dadurch hatten wir genug Zeit für Abschied. Als endlich das Taxi kam, musste es ganz schnell gehen: Gepäck in den Kofferraum, die hintere Klappe mit Seilen zusammengehalten, auf die Rückbank gesetzt und los gefahren. José, aus Spanien, rannte dem Taxi noch so weit wie es ging hinterher, andere standen dahinter und winkten wild. Sie würden noch Stunden oder Tage in Hongkong bleiben – aber wir … wir waren auf dem Weg nach Hause :) 

Am Hongkonger Flughafen lief alles wie am Schnürchen: die Geige und Trompete durften ohne Probleme mit ins Handgepäck (Michi und ich haben das Gefühl, das das derselbe Flughafenmitarbeiter hinter dem Schalter war, wie schon beim letzten Mal), mit unserer Hongkong-ID durften wir an der Touristenschlange vorbei, und ehe wir uns versahen, saßen wir schon an unserem Gate. Letzte große Überraschung: Grace und Paul (aus Ghana), und Tara (aus dem Libanon) saßen mit uns im selben Flieger! Für mich hat das den Kreis des Schuljahres irgendwie noch mehr geschlossen: am Anfang des Jahres hatte Paul mich ja mit Felicia am Flughafen abgeholt – und nun verließen wir Hongkong gemeinsam. Ein schöner Schlusspunkt für das bisher beste Jahr meines Lebens.

Auf dem ersten Flug konnte ich sogar ein wenig schlafen – vielleicht war ich von den letzten anstrengenden und emotionalen Tagen einfach so müde, dass es nicht anders ging. Dennoch vergingen die ersten sieben Stunden im Schneckentempo, und auch die drei Stunden in Dubai waren irgendwie von größtmöglicher Apathie geprägt … Michi und ich schauten uns immer wieder unsere Jahrbücher an, oder passten auf die Sachen auf, während der andere gerade schlief oder Wasser kaufte. Für mehr waren wir entweder zu k.o. oder zu sehr in Erinnerungen an LPC versunken. Unser sechs-stündiger Flug nach Frankfurt verspätete sich ein wenig, und so wartete, als wir endlich mit unserem Gepäck aus der Sicherheitszone heraus traten, Michis Mama schon ganz aufgeregt auf uns. Ich musste mich beeilen, um meinen Zug zurück nach Dresden nicht zu verpassen, also gab ich Michi eine rasche Umarmung, bedankte mich für die Brezel, die mir seine Mutter noch “als Proviant” gekauft hatte und flitzte los. 40 Minuten braucht man angeblich von Terminal 2 bis zum Fernbahnhof – ich schaffte es in gut zehn Minuten :) Je näher ich mit dem Zug nach Hause kam, desto nervöser und aufgeregter wurde ich. Mein Jahrbuch kannte ich inzwischen in- und auswendig, meine Bücher hatte ich ausgelesen oder ich konnte mich nicht mehr auf sie konzentrieren … die Landschaft draußen, mit ihren kleinen Musterhäusern, großen Weiden, Dampflokomotiven auf abgestellten Gleisen und herumstehenden Kühen war mir nicht mehr so vertraut, wie ich sie in Erinnerung hatte, und die Menschen, die draußen an den Bahnhöfen vorbei eilten, oder im Zug saßen, schienen mir alle sehr merkwürdig: Kurzhaarfrisuren, platinblond und blau gefärbte Haare und “Atomkraft-Nein-Danke”-Anstecker habe ich lange nicht mehr gesehen, und die Mürrischkeit der Deutschen fällt einem wohl erst auf, wenn man eine Weile nicht mehr hier war. Und Sächsisch klingt am Anfang auch fast willkommen-heißend in der Heimat.

Ja, ich bin zurück in Deutschland. Nach den letzten zwei Stunden im Zug, die wegen Langeweile und Vorfreude fast unerträglich waren, kam ich abends um acht endlich, nach einer gut 24-stündigen Reise, am Dresdner Hauptbahnhof an. Ein Bundeswehrsoldat, der auch gerade nach Hause gekommen war, hob mir noch meinen Koffer aus dem Zug, dann konnte ich endlich meine Familie wieder in die Arme schließen.

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