My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Lange haben unsere Secondyears ihr entgegen gefiebert, und wir Firstyears haben ihnen jegliche Details darüber verschwiegen: die Firstyearshow ist in LPC Tradition. Erst vor wenigen Jahren eingeführt, nutzen die Firstyears sie, um ihren Paten, Zimmernachbarn und Freunden aus dem zweiten Jahr zu danken, und sie zu verabschieden. Seit Jahren läuft die Firstyearshow, kurz: FYS, immer gleich ab: nacheinander werden Secondyears von Firstyears imitiert. Das ist zwar bestimmt lustig, auf Dauer aber garantiert etwas langweilig. Also beschlossen wir Firstyears, das Ganze dieses Jahr anders zu machen. Wir fingen mit unseren Drachen und Löwen an: die haben dieser chinesischen Tradition dieses Jahr wirklich alle Ehre gemacht und sind so weit fortgeschritten, dass sie jedes Mal wieder auch unsere Secondyears beeindrucken. Die Drachen tanzen Schrittfolgen und vollführen Kunststücke, die die Secondyears erst nach zwei Jahren meistern konnten, und die Löwen denken sich inzwischen neue Sprünge etc. aus, weil ihnen die alten zu langweilig sind. 

Anstatt jeden einzelnen zu imitieren, imitierten wir Situationen, mit denen wir in LPC alle vertraut sind, und die ihre eigenen kleinen Witze und “Traditionen” haben, die jeder kennt: die Schul-versammlung beginnt immer mit einer großen Motivationsrede von Arnett, der dann in heller, enger Hose und dunklem Hemd vor uns steht, immer wieder die Hände zusammen schlägt und groß herum gestikuliert; das Global Issues Forum, in dem wir globale Themen wie Kolonialismus, Prostitution, Demokratie, Medizinpatente etc. diskutieren, ist jedes Mal ein großes Durcheinander, in dem jeder etwas sagen will und ab uns zu auch mal eine Tür knallt – Spaß macht es natürlich trotzdem ;) Wir hatten auch intra-kulturelle Vorführungen: die Afrikaner tanzten und imitierten sich gegenseitig, die Nordamerikaner (Canada und USA) nahmen ihren Ruf auf den Arm, die Lateinamerikaner sangen ihren Secondyears ein Lied und wir Europäer erzählten die Geschichte unseres Kulturabends: wie wir der Kälte trotzten, welche Tänze wir aufführten, wie wir krampfhaft versuchten, Schwedisch zu lernen (um den Liedtext aussprechen zu können) und vieles mehr. Am Ende ließen wir es, wie schon bei ECE, wieder einmal schneien :) 

Es war nur eine kurze Firstyearshow, und sie endete mit einem recht unorganisiertem, nein, eigentlich ziemlich chaotischem Tanz von allen Firstyears – doch wir haben die Herzen der Secondyears eindeutig höher schlagen lassen: sie waren ganz gerührt. “Das habt ihr echt toll gemacht. Danke, echt, vielen Dank,” flüsterte mir mein Secondyear aus dem Jemen zu, als er mich nach der Show umarmte – und auch meine deutschen Secondyears haben sich sichtlich sehr gefreut. Es war unsere Art, uns gemeinsam als Firstyears zu verabschieden und uns für das unglaubliche Jahr zu bedanken. Die Secondyears haben uns alles beigebracht: wie man im Gemeinschaftsraum Kaffee kocht, wie man sich aus dem Campus heraus schleichen kann, wie man den Wächtern eine Freude macht, Lehrern Streichen spielt, wie man in LPCUWC lebt und sowieso das IB überlebt. Sie waren unsere Freunde, Paten und Vorbilder, und zusammen waren wir eine Familie – eine große, durch Spaß und Erfahrungen zusammen geschweißte Familie, zusammen gewürfelt aus 80 Nationen. Wir werden ihnen wohl ewig dankbar sein. Aber jetzt sind wir an der Reihe, Secondyears zu sein – und wenn wir den Jahrgang 2011-2012 zu sehr vermissen und Zeit finden – zwischen Extended Essay, Universitäts-Bewerbungen und dem ganz normalen Alltagsstress – dann gibt’s ja noch Skype :)

Fotos: Vincent Wong

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