My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Gestern beschloss ich zusammen mit einem Mitschueler aus Costa Rica, mit dem ich schon die Starfish Bay erkundet hatte, nach TST (Tsim Sha Tsui) zu fahren. TST ist das Stadtzentrum: dort liegen der Hafen, Chunking Mansions und alle Luxuskaufhaeuser. Einen Plan hatten wir nicht. Wir wollten einfach nur endlich wieder raus, den Campus verlassen, und noch ein paar letzte Eindruecke von der Stadt sammeln, die nun seit mehr als neun Monaten unser zweites Zuhause ist. Als wir die MTR verliessen, fiel uns gleich als erstes ein grosses Schild an einem der Gebaeude im Hafen auf: Heute freier Eintritt! So etwas schreit natuerlich nach Aufmerksamkeit, und wir nahmen die Rolltreppe hoch, um zu sehen, was es damit auf sich hatte. Fuenf Minuten spaeter befanden wir uns in einem kleinen Museum in der Xubaizhai Gallery of Chinese Painting and Calligraphy – einer von drei Ausstellungen in dem Museum.

 “Diese Ausstellung soll Ihnen einen Eindruck von der Kunst der Kalligraphie verschaffen und das Verstaendnis fuer chinesische Kultur und Tradition foerdern,” stand auf einer Steinplatte am Eingang der kleinen Ausstellungshalle. Lange Papierrollen waren in Vitrinen ausgebreitet und an den Waenden aufgehangen worden, kleine Plaketten erlaeuterten die unterschiedlichen Einfluesse und Schreibarten. Besonders oft fiel der Name Wang Xizhi. Auch bekannt als “Weiser der Kalligraphie” hat Wang Xizhi die Kunst der Kalligraphie nicht nur komplett umgestaltet, sondern ihr auch sein gesamtes Leben gewidmet. Einer Legende nach war er einmal so unzufrieden mit seiner Kunst, dass er 18 Toepfe mit Wasser fuellte und nicht aufhoerte zu ueben, bis er das ganze Wasser mit seinem Pinsel aufgebraucht hatte.

Im hinteren Bereich des Ausstellungsraums wurde auf einer grossen Tafel die Geschichte der Kalligraphie zusammengefasst. Sie entstand zuerst etwa 1600-1100 Jahre v.Chr., als Huangdi, der “Gelbe Kaiser” herrschte. Urspruenglich als einfache Schriftform genutzt, entwickelte sie sich zunehmend zu einer Kunstform, als die chinesische Standardschrift eingefuehrt wurde. So wie heute in der Grundschule “Schoenschreiben” geuebt wird, malten die chinesischen Kinder schon vor tausenden Jahren die Kalligraphiewerke beruehmter Kuenstler nach, bis sie es selbst konnten.

Die zweite, ebenso winzige Ausstellung, war der chinesischen Exportmalerei des 18ten und 19ten Jahrhunderts gewidmet worden. Die Werke dieser Zeit wurden speziell fuer den Handel mit Europaern angefertigt. Die Ausstellung wollte zeigen, welchen Einfluss westliche Malerei auf den Stil der chinesischen Kuenstler hatte. Sie mischten chinesische Malerei-Tradition mit modernen, westlichen Techniken – oft brachten die Chinesen sich das selbst bei. Unterricht von den Europaern gab es nicht, also bedienten sich die chinesischen Kuenstler einer uralten Technik: sie malten die Bilder aus Europa ab. Ihre Versuche, “westlich” zu malen, wurden uns nun in einem kleinen, nicht besonders gut beleuchteten, grauen Raum mit grauem Teppichboden, niedrigen Decken und kleinen schwarzen Holzbaenken in der Mitte in kleinen Bilderrahmen praesentiert – nicht gerade ein besonders passendes Ambiente, wie ich fand.

In der dritten Ausstellungshalle waren die Waende voller Vitrinen, hinter denen einzelne, kleine und grosse, bunte und einfache Vasen, Toepfe und Figuren standen. Besonders fasziniert haben mich die Besitztuemer der ehemaligen Kaiser: wunderschoene Kronen und Haarnadeln, und bunte, reich verzierte lange Gewaender wurden ausgestellt. Besonders schoen fand ich das “Drachengewand” aus der Qing Dynasty. Es ist mit den zwoelf “imperialistischen Symbolen” versehen: darunter ein Mond, der fuer die Tugenden von Yin (von Yin und Yang) steht; das Bild eine besonderen Stern-Konstellation, das fuer den Einklang von Himmel und Erde steht; die Sonne, die das Mandat der Sonne fuer den Kaiser symbolisiert; eine Axt, Zeichen der Macht des Kaisers, ueber alles zu walten und zu entscheiden; zwei Drachenkruege, die die Kardinaltugenden des Kaisers symbolisieren; Wasserpflanzen, die fuer die Reinheit der Handlungen und der Moral des Kaisers zeugen sollen und auch Fu, das chinesische Zeichen fuer Diskriminierung, laut dem der Kaiser zwischen gut und schlecht, wahr und falsch eintscheiden kann.

Es war mein erster Museumsbesuch in Hongkong, und deshalb schon etwas Besonderes – und dann auch noch kostenlos! Die Kombination aus Kalligraphie, Antiquitaeten und chinesischer Malerei war dafuer auch recht passend, weil ich auf einen Schlag ein grosses Spektrum von Kunst auf kleinem Raum erkunden konnte – perfekt fuer einen Mittwochnachmittag, an dem man draussen sonst wegen 33 Grad Celsius und 85% Luftfeuchtigkeit schier zerschmelzen wuerde :)

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