My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Zehn Tage hatten unsere Firstyear-Theaterschüler Zeit, um die zehnte Theateraufführung des Schuljahres zu proben und ihren Text zu lernen. Das Ergebnis war atemberaubend und hat die Mehrheit der Zuschauer zu Tränen gerührt. The Laramie Project, ein Theaterstück von Moisés Kaufmann und dem Tectonic Theater Project, ist eine Theaterdokumentation des Mordes an dem schwulen Studenten Matthew Shepard, 1998 in Laramie, Wyoming (USA). Matthew Shepard war beraubt, brutal gequält und geschlagen und schließlich an einen Zaun gebunden worden. Der Polizeibericht beschreibt, wie übel Matthew zugerichtet war: “Das Gesicht voller Blut; man konnte nur wenig bare Haut sehen – dort, wo seine Tränen das Blut fortgewischt hatten.” Matthew unterlag knapp eine Woche später seinen schweren Kopfverletzungen. Das Motiv des Mordes galt als “Homophobie” und löste eine große Debatte zum Thema “Hasskriminalität” aus; die beiden Täter Aaron McKinney und Russell Henderson entkamen der Todesstrafe nur knapp und bekamen statt dessen beide “zweimal lebenslänglich”. 

Das Theaterstück besteht hauptsächlich aus Interviewausschnitten. Kaufmann und seine Theatergruppe fuhren über einen Zeitraum von gut einem Jahr regelmäßig nach Laramie, um Bekannte und Verwandte von Matthew, Augenzeugen, Geistliche, Richter und auch Bewohner von Laramie, die mit dem Fall nichts zu tun hatten, zu befragen. Dem Misstrauen der Befragten kamen sie entgegen, indem sie ihnen erklärten: “Wir sind keine Journalisten, wir fallen nicht in Ihre Stadt ein, um sofort wieder zu verschwinden,” – ein Versprechen, das sie durch die monatelange Zusammenarbeit hielten. Das Ergebnis dessen war das “Laramie Projekt”, das nun zweimal in LPCUWC aufgeführt wurde. 

Wer in Theaterstücken Spaß und Action erwartet, für den ist das “Laramie Projekt” sicher nichts – die mehr als 60 Charaktere werden von weitaus weniger Schauspielern verkörpert, für einen Großteil des Theaterstücks sitzen die Schauspieler auf ihren Stühlen und und zitieren die Interviews. Keiner verlässt auch nur ein einziges Mal die Bühne, egal, wie wenig er zu sagen hat – und das fast zwei Stunden lang. Das “Laramie Projekt” ist kein Theaterstück, das man beschreiben kann – man muss es selbst erleben. Es bringt unglaublich viele kontroverse Themen und so unterschiedliche, starke Emotionen auf, dass es dem Zuschauer tatsächlich “durch Mark und Bein” geht. Besonders Vincent, ein Mitschüler aus Hongkong, hatte eine wichtige Rolle inne: er spielte Matthew Shepards Vater und hielt am Ende des Stücks eine Rede über Diskriminierung, Liebe, Vergebung, Hass und Tod. Es waren die genauen Worte von Dennis Shepard, und Vincent legte alles, was er hatte, in sie hinein. Die Wirkung ist tatsächlich einfach nicht beschreibbar, aber die halbe Aula schluchzte. Am Ende der Aufführungen (ich habe beide besucht, weil ich fotografiert habe) gab es für unsere Schauspieler standing ovations.

Allen, die beteiligt waren, möchte ich zu ihrer bewegenden Aufführung, die in nur zehn Tagen zusammen gestellt wurde, das Publikum zu Tränen rührte und mit stehendem, lautem Applaus belohnt wurde, gratulieren. Allen, die das Theaterstück verpasst haben, kann ich nur sagen – wie schade! Es war eine zeitlose Show, die ein Thema aufgegriffen hat, das in unserer heutigen Gesellschaft und auch auf dem LPC-Campus noch so aktuell ist! Ich hoffe, ihr habt alle etwas daraus mitgenommen.” – Hayley, Englischlehrerin, Hausmentorin

“In einer Zeit, in der die Freiheit zu sein, wer man ist und die Freiheit, sein eigenes Ich auszuleben, unter Beschuss stehen, war diese Theateraufführung recht zeitlos. Es war eine Erinnerung and die Motive und Einstellungen hinter Matthew Shepards Tod, und die auch heute, 14 Jahre später, immer noch existieren. Es war aber auch eine Warnung vor den Konsequenzen, die eintreten, wenn man Verbrechen aus Hass begeht und die Vorurteile von Moralaposteln nicht bekämpft.” – Steve, Theaterlehrer

“Zuhause hätte ich mir niemals vorstellen können, in einem Theaterstück wie diesem mitzuspielen – oder überhaupt in einem Theaterstück! Ich hätte nie Empathie für Matthew, einen Homosexuellen, entwickeln können. Vor den Proben zeigte Steve uns Fotos von Laramie und Matthew Shepard, und das Lied “Scarecrow” [ein Lied für Matthew Shepard] spielte im Hintergrund. Da wusste ich plötzlich einfach, dass ich meine Worte und meine Unterstützung Matthew widmen würde. Es war nicht nur ein Theaterstück, es war ein Aufschrei, ein Protest an die ganze Welt – durch die fünfzig Menschen, die uns gestern zugesehen haben.” – Prodhi, Theaterschülerin

“Dieses Stück was etwas komplett Neues. Wir hatten eine Mission, ein Ziel, und es hing von uns ab, ob wir das gut oder schlecht rüber bringen würden. Am Anfang ist man sich immer unsicher, wie es läuft, aber ich glaube, am Ende, wenn es wirklich nur darum geht, auf etwas aufmerksam zu machen und zu zeigen, wie schlecht es um manche Dinge steht – dann gibt es wohl keine andere Möglichkeit, als es gut zu machen.” – Daniel, Theaterschüler

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