My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Die Kunstausstellung der Secondyears “Does Anyone Have Scissors?” war tatsächlich ein voller Erfolg. Ich muss zugeben, dass ich von einigen unserer Künstler mehr beeindruckt war, als von anderen, aber besonders die Vielfalt der genutzten Arbeitsmaterialien und -techniken hat mich sehr fasziniert: nicht nur Gemälde und Zeichnungen, auch Fotografie, Stickerei, Photoshop, Bildhauerei, Plastiken und ganze Rauminstallationen waren in Szene gesetzt worden – ihre Erschaffer standen in Anzug oder Absatzschuhen daneben, jederzeit dazu bereit, uns von ihren Inspirationen und Motiven zu erzählen.

Mich hat besonders die Arbeit von Bita aus dem Iran überzeugt. Bereits ihr Theaterstück “Skin and Bones” hat das Publikum begeistert, und nun thematisierten auch ihre Kunstwerke die Unterdrückung im Iran. Bita hatte sich mit vier weißen Wänden einen eigenen Ausstellungsraum geschaffen, in dem ihre Fotografien, Collagen etc. so dicht beisammen hingen, dass sie die Zuschauer förmlich erschlugen: “Am Anfang hatte ich ein wenig Angst, dass nicht alles dort hinein passt, oder eben zu eng beieinander hängt. Am Ende hat es die ganze Stimmung aber umso besser rübergebracht,” meinte die angehende Künstlerin. Auffallend: ihr Selbstbildnis, das in zwei Teile gespalten ist- eine Seite zeigte sie mit Kopftuch und vorsichtigem Lächeln, die andere mit Lippenstift, offenem Haar, schönem Lachen. “Ich finde dieses Portrait sehr ausdrucksstark: rechts sieht man, wie ich wirklich bin, und links sieht man, wie meine Regierung mich will,” erklärte Bita gerade unserem Schulleiter, als ich vorbeilief. Gleich daneben hängt ein ähnliches Bild – wieder steht das Passbild mit Kopftuch im Mittelgrund, drum herum wurden andere Fotos auf die Leinwand geklebt: Bita im Sommerkleid, Bita neben ihrem besten Freund, Bita in Rock und T-Shirt. Es könnten ganz normale Fotos sein, von einem ganz normalen Mädchen – wenn nicht jedes kleinste Stückchen barer Haut, außer dem Gesicht, schwarz gemalt worden wäre. 

Auch eine andere Schülerin hatte sich in ihren Werken der “Unterdrückung” gewidmet – bei ihr ging es aber nicht um Politik und Religion, sondern schlicht und einfach um die Frau. Anna (Großbritannien/ Schweden/ Hongkong) hat sich in LPC zur Feministin entwickelt – eine Leidenschaft, die sich auch in ihrer Kunst widerspiegelt. Besonders beeindruckt haben 400 golden angemalte Wachteleier, jedes sorgfältig ausgepustet und an einem dünnen Faden auf gehangen. Ihre Bedeutung wollte Anna uns aber nicht verraten – es bleibt ein Geheimnis! ;) Annas Werke waren insgesamt sehr provokant; besonders eine Reihe bearbeiteter religiöser Gemälde löste kleine geflüsterte Diskussionen aus. Die Künstlerin hatte die alten Bilder, in denen Engel, Maria mit Kind oder die Göttin Venus nackt dargestellt worden waren, mit weißen Schriftzügen versehen -“Feeling Sexy Tonight”, “Who’s The Bitch” etc. – und diese Frauen damit gewissermaßen als “Schlampen” hingestellt. Klar, dass das nicht jedem passte – interessant und kreativ fanden es trotzdem alle! Das obere Bild, in dem blutige Unterwäsche dargestellt ist, heißt “Bloody Murder” und thematisiert Vergewaltigungen.

Auch die anderen Secondyears hatten sich zu Beginn ihrer Oberstufe an LPC gezielt Themen ausgesucht und sich in ihren Kunstwerken damit zwei Jahre lang auseinandergesetzt. Lee, meine Zimmernachbarin aus Mexiko und Neuseeland, hatte alle Werke auf das Thema “Kunst und Musik” bezogen, ein Mädchen aus Großbritannien beschäftigte sich mit Portraits, und Felicia hatte durch ihr Thema “Muskeln” viel über menschliche Anatomie gelernt. Bei manchen waren diese Themen in ihren Ausstellungsecken klar erkennbar, bei anderen fehlte ein bisschen der Leitfaden. Erstaunliches ist trotzdem zu sehen gewesen, und über die große Anzahl von Fotografien habe ich mich besonders gefreut. Hier noch ein paar einzelne Werke: 

Oh, eine Sache habe ich noch vergessen, zu erwähnen: Peter, mein Secondyear aus Dänemark, hatte die lustige Idee, sich ein paar IKEA-Kataloge zu schnappen, und bei den vielen Anzeigen einige Worte herauszuschneiden, damit dem ganzen ein neuer Sinn eingehaucht wurde. Das zu lesen, hat viel Spaß gemacht! ;) Alles in allem hat mich die Kunstausstellung wirklich sehr beeindruckt. Ich bin von der Vielfalt an Ideen, Motiven und Werken sehr fasziniert gewesen – wie ich schon sagte, war von jedem etwas dabei -, und ich finde, die meisten Schüler haben Unglaubliches geleistet. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr, wenn dann meine Co-Years ihre Ausstellung eröffnen dürfen!

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