My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Diplomaten im Dienst

Wer will das nicht: einmal Diplomat spielen und das Geschehen der Weltpolitik beeinflussen. Dienstagabend ging es damit bei uns los: eine Gruppe Schüler hatte in LPC für Firstyears einen ganzen Tag für Model United Nations organisiert – eine UN-Simulation für Schüler, die auch in Deutschland sehr bekannt und beliebt ist. Dabei imitieren Schüler in Konferenzen die Arbeit der Vereinten Nationen (UN), diskutieren unter dem Decknamen der echten Komitees über Themen von weltweiter Bedeutung und arbeiten an Resolutionen. Die gesamte MUN-Struktur orientiert sich dabei am UN-Original. Jeder Schüler repräsentiert ein Land – in LPC macht das natürlich besonders Spaß, weil man in die Rolle eines Mitschülers schlüpfen, und denjenigen natürlich auch um Rat fragen kann. Zuerst schreibt man ein Position Paper, in dem man die politische und wirtschaftliche Situation des eigenen Landes zusammenfasst, ein kurzes Statement zum diskutierten Thema abgibt und möglicherweise bereits Lösungen vorschlägt. Später wird dann diskutiert.

In unserer MUN-Konferent war ich Teil des UN-Menschenrechtsrats und habe Kambodscha vertreten. Unser Thema war der weltweite Menschenhandel, und wir haben uns besonders auf die Rolle von Frauen und Kindern konzentriert. Andere Themen waren der Kosovokrieg, Abrüstung, Nahrungssicherheit, humanitäre Hilfe für Syrien und die Einführung einer dauerhaften UN-Armee. Vor der eigentlichen Konferenz gab es zwei Informations- und Vergnügungsveranstaltungen, in denen uns die Diskussionsstruktur erklärt wurde und unsere Vorsitzenden sich vorstellten. Wir durften sogar die mexikanische Botschafterin für Hongkong treffen, und sie hielt einen Vortrag über ihre Faszination für den Diplomatendienst – offensichtlich war der spätere Außenminister Mexikos ihr Nachbar, als sie noch jung war, und der hatte ihren Vater dazu überredet, sie für Mexiko arbeiten zu lassen. Dresscode für all diese Veranstaltungen war natürlich Business Attire, und während wir diskutierten oder uns einfach nur unterhielten, “protestierten” ein paar Secondyears vor den Türen mit Postern und Sitzblockaden – “Occupy the Assembly Hall” und “We are the 99%” waren dabei natürlich die Lieblingssprüche.

Am Mittwoch wurde dann losgelegt. Neun Uhr morgens traf sich unser Komitee und die Diskussion wurde eröffnet. Zuerst stellten die Länder sich vor, dann wurden Pläne geschmiedet, allerlei Beschuldigungen und Beleidigungen in den Raum geworfen, die USA schlecht gemacht und Steuerregelungen diskutiert. Die Hälfte unserer Repräsentanten verstand nicht, dass man nicht einfach einem anderen Land sagen kann, wie viel es an Steuern verlangen soll, da das gegen die Regel der Souveränität der einzelnen Staaten verstößt … Laerke und ich, die das Thema gerade im Geschichtsunterricht behandelt hatten, verbrachten also gut eine Viertelstunde damit, das den Delegationen von China, Albanien, Australien und Iran zu erklären. Hauptproblem für unsere Resolutionen war aber die finanzielle Frage: wir hatten unheimlich viele gute Ideen, was den Schutz, die Prävention und die gesellschaftliche Re-Integration der Opfer von Menschenhandel anging, doch am Ende schien alles am Geld zu scheitern – Gesundheitssystem, Bildung, Arbeits- und Ausbildungsplätze… Zu einer Resolution kamen wir am Ende zum Glück trotzdem – auch wenn diese etwas oberflächlich ausfiel, da die Meinungs-verschiedenheiten zwischen den Ländern im Komitee doch zu groß waren, und das die Kooperation ziemlich blockierte.

Bei der Abschlussveranstaltung wurden für jedes Komitee das beste Position Paper und der jeweils herausragendste Delegierte ausgezeichnet und ich kann stolz sagen, zu letzterem dazu zu gehören. Vielleicht werde ich nächstes Jahr sogar offiziell der MUN-Gruppe beitreten – der Tag war schließlich ziemlich spannend – besonders, da man ein Land repräsentierte, das man sonst vielleicht gar nicht so gut kannte, oder mit dessen Ansichten man nicht übereinstimmt. Ich habe sehr sehr viel gelernt, und ein bisschen Politik schadet ja nie! :)

Foto: Herausragende Delegierte der einzelnen Komitees – Heidi (HK), Sophia (Malaysia), Maya (Israel), Bellamy (HK/UK), Halfdan (Dänemark), Daniel (Costa Rica), Khetiwe (Südafrika), Jason (Neuseeland), Vincent (HK), ich und Sylla

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