My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Tanzen im Weltkulturerbe

Im Himmelstempel Beijings wurde einst für gute Ernten gebetet. Heute ist der umliegende Kiefernpark Schauplatz traditioneller chinesischer Freizeitaktivitäten und die bunte Tempelanlage eines der Wahrzeichen von Chinas Hauptstadt. Am Haupttor trennten wir uns, um den Park in kleinen Gruppen zu erkunden. Wir bekamen eine Karte mit mehreren Abschnitten in die Hand gedrückt, und je nachdem, welchen Sektor des Parks wir betreten wollten, wurde ein Stück abgerissen. Was mir im Park sofort auffiel, war die große Anzahl von Tänzern – entweder wurde als Pärchen oder in einer großen Gruppe getanzt, und immer ganz verschieden. Offensichtlich finden sich besonders gern mehrere Frauen zusammen, drehen ihre kleinen Radios lauter und dann tanzen alle in derselben Choreografie zur Musik. Wer neu dazukommt, beobachtet eine Weile, dann tanzt er mit. Ich fand eine Gruppe älterer Damen, die versteckt zwischen Bäumen eine Mischung aus Tanz und Fitness übten und setzte mich mit meiner Kamera auf eine Bank, um zuzusehen. Als ich mit meinen Füßen versuchte, die Schritte im Sitzen nachzuahmen, rief mich die ganze Gruppe plötzlich zu sich; sie winkten mit ihren Händen und sagten irgendetwas auf Chinesisch. Ich gesellte mich dazu, und während die Musik weiter dudelte, zeigte mir dir “Frontdame” die Schritte. Ich lernte sie ziemlich schnell und konnte bald richtig gut mittanzen! Einen Arm hoch, den anderen auch, dann zwei Kreise drehen, beide Arme nach rechts, beide Arme nach links – und dabei auch noch mit den Füßen zurechtkommen! Bis das nächste Lied angesagt wurde, und ich eine neue Choreografie lernen musste, klappte das Tanzen eigentlich ganz gut, und die Frauen hatten auch ihren Spaß mit mir :D

Mit Tanz kam ich im Himmelstempel auch noch öfter in Berührung: ein älterer Mann zeigte unserer Gruppe mit seiner Frau einen langsamen chinesischen Tanz, der nur vier Schritte an – als Frau an der rechten oder linken Seite des Mannes mit ihm geradeaus gehen, oder (wieder an der rechten oder linken Seite) von ihm rückwärts geführt werden. Und dann gibt es natürlich noch diverse Posen, in etwa, in denen man die Arme einfach nur ausstreckt und beide sich nach hinten lehnen, oder in denen der Mann die Frau an der Hüfte festhält und sie sich alleine nach hinten lehnt. Als der Mann uns alles erklärt hatte, forderte er mich doch tatsächlich zum Tanzen auf – und, ein bisschen überrumpelt, sagte ich natürlich lachend zu ;) Dank Semperopernball und etlichen Tanzkursen hatte ich gelernt, schnell auf meinen Tanzpartner einzugehen, und also begriff ich auch hier die Schritte schnell und drehte mit dem Chinesen mehrere Runden auf dem Tempelplatz – sehr zur Freude unserer Schülergruppe und der umstehenden Paare. Vor dem Haupttempel, an dessen Dachspitze ein goldenes “Samenkorn” steckt, tanzten wir alle auch noch mal den französischen “Bananentanz”. Zwar sang eine alte Chinesin auf dem Platz gerade lauthals Lieder über Revolution, aber da sie das schon die letzte halbe Stunde getan hatte, ließen wir uns davon nicht stören – und sie sang auch munter weiter :)

Vom Haupttempel zurück zum Eingangstor mussten wir nur geradeaus laufen. In der Mitte des breiten Weges verlief ein etwa 1m breites Steinband und Tina erklärte uns, warum: “Im Sommer erhitzt sich der Stein, und dann können Menschen darauf nachts schlafen, weil es so warm ist. In manchen Nächten schlafen hier richtig viele, und da gibt es eine lange Linie von schnarchenden Menschen!” Zu schade, dass es für so etwas noch zu kalt war; in der Parkanlage des Himmelstempels zu schlafen wäre bestimmt interessant geworden ;) Als wir zurück gingen, fanden wir im vorderen Teil der Tempelanlage mehrere Männer mit gefüllten Wassereimern und riesigen Pinseln. Sie malten Kalligraphie auf den Steinboden. Die Zeichen trockneten nicht schnell genug, und so glänzten hunderte chinesische Schriftzeichen in der warmen Mittagssonne, von Kritikern und Bewunderern analysiert. Wir machten einen großen Bogen um die Künstler, um ihr Werk nicht zu zerstören und warteten dann am Eingang auf den Rest der Gruppe, um zum Flughafen zu fahren.

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