My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Mit Händen und Füßen

Nachdem wir nun schon die Verbotene Stadt und auch die Chinesische Mauer besichtigt hatten, ging es für einen letzten Tag wieder zurück zur Schule. Die Kinder warteten schon ganz aufgeregt am Eingangstor auf uns und begrüßten uns mit lauten Schreien und Rufen, als wir den Schulhof betraten. Wir sollten diesmal eine neue Klasse unterrichten, die ein viel niedrigeres Englischniveau hatte, als die Klasse vom Montag. Wir waren nicht ganz sicher, wie viel sie überhaupt schon konnten. Um vor ihnen nicht allzu orientierungslos da zu stehen, hatten wir für die drei Unterrichtsstunden am Abend zuvor einen Plan ausgearbeitet, der dem vom Montag trotz allem sehr nahe war: Farben, Zahlen, Familie und Körperteile wollten wir den Kindern spielerisch und mit Gesang beibringen.

Die Kinder sprachen tatsächlich nicht so viel, und um es ihnen leichter zu machen, wurde jeder Satz mit einer Vielzahl von Gesten unterlegt. Ich übernahm die komplette erste Unterrichtsstunde, und wenn ich die ganze Klasse zu etwas aufforderte, breitete ich meine Arme in einem großen Bogen aus; bei “ich” zeigte ich auf mein Gesicht, bei “du” auf die Kinder; und für “singen” ließ ich meine eine Hand “reden” und malte mit der anderen Kreise in die Luft … Das half den Kindern sehr, die Begriffe und Sätze besser zu verstehen und sie fielen mir auch nicht mehr ins Wort, um meine Sätze im Chor zu wiederholen ;)

Unser TOK-Lehrer hätte aus dieser Unterrichtsstunde bestimmt einen guten Vortrag über universelle Körper- und Zeichensprache basteln können ;) – und sie wurde auch in der Pause wieder wichtig, diesmal aber im Zusammenhang mit Sport. Unsere Jungs wurden nämlich kurzerhand von den Lehrern und älteren Schülern zu einem Basketballspiel aufgefordert, woraufhin sich gut die ganze Schule im Kreis um zwei Basketballkörbe versammelte und die beiden Teams laut schreiend anfeuerte. Da fiel so ziemlich jede Minute mindestens ein Tor, und das Klischee der “kleinen Chinesen” wurde durch die Basketballspieler der Schule gut widerlegt :D In einer anderen Pause stand ich gerade mit meiner Kamera vor dem Klassenzimmer, um die Schüler beim Spielen zu fotografieren, als eine Gruppe Mädchen sich mir näherte, sich zuerst vorsichtig und in schlechtem Englisch vorstellte und mich dann zum Mitspielen aufforderte. Ich verstand erst nicht so recht, was ich tun sollte, weil das Englisch der Mädchen zum Erklären nicht ausreichte und ich mit meinem Chinesisch gerade einmal Grundlegendes verstehe. Als wir aber wieder auf Gesten zurückfielen und uns praktisch mit Händen und Füßen verständigten, klappte es ganz gut. Am liebsten übten die Mädchen in der Pause Weitsprung: sie standen in zwei Teams an, nahmen Anlauf und sprangen über eine Linie. Wer gelandet wer, blieb auf einem Bein stehen, und der Nächste musste versuchen, die “Einbeinigen” aus dem Gleichgewicht zu bringen, so dass sie mit beiden Füßen auf dem Boden standen. Wer mit dem zweiten Fuß aus Versehen die Erde berührte, schied aus. Das spielten wir die ganze Pause lang!

Zur Mittagspause stellten sich die Kinder wie gewohnt mit ihren Schüsseln von Zuhause in einer Reihe auf und warteten auf die Kochtöpfe. Zwei Mädchen mit Zöpfen brachten Reis und Gemüse-Eintopf, und es ging zügig ans Spachteln – im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Reis klebte so fest zusammen, dass man ihn fast auseinander schneiden musste. Als wir alle mit dem Essen fertig waren, warteten meine Mädchen schon wieder auf mich, diesmal mit dem weltweit beliebten Kinderspiel “Stein, Schere, Papier”. Auf Chinesisch heißt es allerdings nicht “Ching Chang Chong”, sondern “Shi tou, jian dao, bu!” – das bedeutet soviel wie “Stein, Schere, Umhang”, ist der deutschen Übersetzung also ganz ähnlich. Manchmal gewann ich und manchmal gewannen die Mädchen, aber ich konnte nie erkennen, ob sie sich wirklich ärgern oder freuen würden – sie lachten und lächelten ununterbrochen! Und wie man weiß, ist Lachen ansteckend ;) Als wir am späten Abend ein letztes Mal “If you’re happy and you know it” sangen, fühlten wir uns alle, trotz des Abschieds, sehr sehr glücklich :)

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