My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Romantische Beleidigungen

In ihren Theateraufführungen orientieren sich unsere LPC-Theaterschüler ja gerne an den Großen: diesmal war Tschechows “Bär” an der Reihe. Unsere Secondyear Kati aus der Slovakei hatte eine moderne Adaption der Ein-Akt-Komödie geschrieben, mit der sie “die Zuschauer so tief wie möglich ins Geschehen hinein ziehen” wollte, wie sie in dem Flyer, der an das Publikum ausgeteilt wurde, geschrieben hatte. “Es gibt viele Themen in diesem Buch. Ich glaube, das größte ist der ewige Konflikt zwischen Mann und Frau,” meint die Theaterschülerin. Tatsächlich wird in dem Stück viel diskutiert. Um Werbung für das Stück zu machen, hatten die Schauspieler ihre Profilbilder auf Facebook geändert, dass sie wie in dem Theaterstück aussahen und neben ihrem Kopf ein entsprechendes Zitat stand: einer der Sprüche war von Joseph Conrad – “Eine Frau zu sein ist eine sehr schwere Aufgabe, da es grundsätzlich darum geht, mit Männern zurecht zu kommen.” Auch in dem Theaterstück selbst gibt es so einige Dialoge und Monologe zu dem Thema, z.B. folgenden Ausschnitt aus einer Rede von Smirnoff: “Wenn sie selbst in Liebe schwelgt, kann sie sich nur beschweren und Tränen vergießen. Wenn aber der Mann leidet und sich selbst opfert, da führt sie ihn nur an der Nase herum. Ihr habt das Pech, eine Frau zu sein und natürlich wisst ihr deshalb von der Natur der Frauen; also erzählt mir von eurer Ehre: habt  Ihr in eurem ganzen Leben ja eine Frau gesehen, die wahr und treu war? Niemals!”

Die drei Personen des Stücks waren Tamara Ivanovna Popova (gespielt von Undine aus Litauen), Luka der Butler (gespielt von Guillermo aus Spanien) und Grigory Stepanovitch Smirnov (gespielt von James aus den USA). Tamara trauert noch Monate nach seinem Tod treu um ihren verstorbenen Ehemann, wohl- wissend, dass er sie betrogen und hinter ihrem Rücken über sie gelästert hatte. Ihr Butler Luka erklärt ihr, sie solle wieder zurück zu Leben und Leuten finden, was sie aber ablehnt. Die ruhige Szene verändert sich schlagartig, als Smirnoff, ein Soldat, hereinkommt und erklärt, der Verstorbene schulde ihm noch Geld und er wolle es nun holen. Tamara erklärt, sie habe keines, woraufhin eine heiße und laute Diskussion voller Beleidigungen entflammt – inklusive Standardargument “So spricht man nicht mit einer Dame!” ;) Als Smirnoff Tamara schließlich zum Duell auffordert, und sie tatsächlich mit den beiden Revolvern ihres Ehemannes auftaucht, ist er von dieser Frau schwer beeindruckt und schmilzt noch mehr dahin, als Tamara ihn bittet, ihr zuerst das Schießen beizubringen – sie habe damit ja noch keine Erfahrung. Bevor es letztenendes zum Duell kommt, fällt Smirnoff vor Tamara auf die Füße und gesteht ihr seine Liebe. Zuerst nimmt sie es nicht an und will, dass er geht – am Ende hält sie ihn aber zurück und Luka, der bereits Hilfe holen wollte, trifft nur noch auf ein sich innig umarmendes und natürlich küssendes Pärchen.

Es war ein sehr interessantes und auch lustiges Theaterstück, mit vielen kleinen, versteckten LPC-Insider-Details. Die Kostüme und Bühnenausstattung waren recht professionell und erinnerten tatsächlich an die russische Aristokratie – ich finde, das hat Kati gut gemacht und wenn ich irgendwann die Chance bekommen sollte, mir den richtigen “Bären” von Tschechow  anzusehen, werde ich sie garantiert wahrnehmen! :)

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: