My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Dialog im Dunkeln

Vor unserer letzten Hausfahrt wusste nur eine Tutorgruppe, wohin es gehen würde. Für alle anderen sollte es eine Überraschung werden – und tatsächlich … Wir fuhren zu einem Workshop von “Dialog im Dunkeln” in Hongkong. Dialog im Dunkeln ist eine Stiftung, die 1988 in Deutschland gegründet wurde und sich als Ziel gesetzt hat, das Talent und Können von blinden Menschen zu nutzen, um “sehende” Menschen zu inspirieren. Seit über zwanzig Jahren veranstaltet die Organisation Workshops, Projekttage für Schulen und andere spannende Aktivitäten, wie “die Hochzeit im Dunkeln” und “Dinner im Dunkeln”. “Unsere Mission ist es, Arbeitsplätze für Blinde zu schaffen, eine Brücke zwischen behinderten und gesunden Menschen zu bauen und Toleranz und Verständnis gegenüber behinderten Menschen in der Gesellschaft zu fördern”, erklärte uns Zareen, eine Mitarbeiterin der Stiftung. Inzwischen gibt es Zweigstellen in über 150 Städten in 25 Ländern; 6 Millionen Menschen haben an den Workshops etc. teilgenommen, 6000 blinde Menschen arbeiten in der Stiftung.

In unserem Workshop wurden wir von einem Mann geführt, der mit dreißig Jahren durch eine Tumoroperation zwar sein Leben zurückgewonnen, aber sein Augenlicht verloren hatte. Er gab uns Gehstöcke, damit wir den Boden erkunden konnten, und führte uns dann in einen komplett dunklen Raum hinein. Es war dunkler, als wenn man die Augen zumacht, und wir konnten nur noch hören, riechen und fühlen. Irgendwie war das Gefühl ein bisschen gruselig und am Anfang rannten wir ständig ineinander. Dann gewöhnten wir uns an die Dunkelheit um uns herum und konnten uns ganz auf unsere anderen Sinne einstellen. Zuerst liefen wir durch einen Wald, dann ging es durch einen Markt, in dem wir alle Früchte fühlen und erraten mussten. Danach ging es über eine Straße und wir betraten ein Boot. Die ganze Simulation fühlte sich sehr echt an: wir fühlten, wie Wellen gegen das Boot schwappten, es gab kalten Wind, der uns ins Gesicht blies … Zum Schluss ging es noch in ein Kino, in dem wir einfach nur Musik und verschiedene Klänge und Geräusche hörten und uns dazu eine Geschichte ausdenken mussten, und in ein Café, in dem wir für wenig Geld Saft und Kaffee bestellen konnten. Alles in allem war die Rundführung wirklich spannend und man konnte tatsächlich erleben, wie man sich fühlt, wenn man wirklich nichts sehen kann – und es ist ja auch nicht so, dass man die Augen jederzeit aufmachen kann und dann alles wieder gut ist. Wer woanders mal die Chance bekommen sollte, einen Workshop der Stiftung Dialog im Dunkeln mitzumachen, dem kann ich es nur empfehlen. Man lernt wirklich, wenigstens für 75 Minuten ganz auf das Motto der Stiftung zu Vertrauen: “Sight is what we see with our eyes, insight is what we gain without seeing.”

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