My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Abschreckung? Mit Ekel!

Lange war nichts mehr passiert. Gestern wurde der Schulalltag aber endlich wieder von etwas Neuem unterbrochen: Drogen! Nicht, dass wir alle welche genommen haben ;) – aber eine Sprecherin von der Hongkonger Drogenbehörde hat eine Vorlesung gehalten und uns über die Risiken und Nebenwirkungen von Drogen aufgeklärt. Sicher, in Ländern, wie Deutschland, Frankreich, Mexiko und den USA ist man über so was schon tausend Mal informiert worden, allerdings gehen ja auch Schüler aus ganz anderen Ländern in LPC zur Schule, bei denen Drogen vielleicht noch nie thematisiert wurden.

Die Lesung begann, wie vermutlich die allermeisten: Angel, so hieß die Sprecherin, die übrigens Psychologie studiert hatte, zeigte uns ein paar Bildern von Drogen, und wir mussten sie erraten. Crystal, Marihuana, Tabak, Ecstasy, Kokain … Danach wurde uns kurz erklärt, was jede Droge jeweils verursacht, wie man sie anwendet. Der Rest der Lesung war deutlich spannender: Angel erzählte uns von ihren Erfahrungen im Umgang mit Drogenabhängigen und Rehabilitationswilligen. Sie erzählte uns von einem Fall, der sich neulich in Hongkong ereignet hatte: ein Junge hackte sich die Hand ab, weil ihm das Stimmen in seinem Kopf befohlen hatten, wie er später aussagte. Ein anderer wurde mal von einem Fernsehteam zu einem Experiment mitgenommen: er sah dabei zu, wie man einem Pferd Ketamine injizierte – und es daraufhin zusammenbrach. Der Junge war in dem Video daraufhin ziemlich blass und zittrig – “Ich zieh mir von dem Zeug jeden Tag anderthalb Gramm rein”, gab er dem Kameramann leise zu verstehen.

Ketamine – das sogenannte Vitamin K -, ICE und Kokain sind in Hongkong zur Zeit die beliebtesten Drogen. Aber auch die neuen, synthetisch hergestellten, werden immer mehr gekauft. “Ich hatte ein Mädchen in der Therapie, sie war vielleicht so alt wie wir. Und wir hatten sie gerade erfolgreich von allem clean bekommen. Eines Tages aber kam sie zu mir und erzählte mir voller Freude von diesem “Tee”, den sie entdeckt hatte. Ich habe mir nichts dabei gedacht und es später mit meinen Kollegen besprochen. Wie sich herausstellte, war genau dieser “Tee” gerade auf dem Drogenmarkt gelandet: glitzernd, synthetisch, gefährlich. Man kann alles missbrauchen.” Angel wusste auch, wie man Drogen am liebsten strecken würde: Farbe, Glassplitter, Metallstückchen. “Wenn man in der Disko Kokain kauft, glitzert das oft – da ist dann Glas drin, oder Metall. Besonders Mädchen kaufen das dann gerne. Allerdings reißen einem diese kleinen Splitter die Nase beim Schnupfen sehr rasch auf. Die Droge gelangt schneller in die Blutbahn, zerstört aber auch die Nasenscheidewand. Ich kenne ein Mädchen, das ihren Finger rechts in die Nase stecken kann, und er kommt links wieder heraus.” Keine schöne Vorstellung. Angel arbeitet ganz klar mit dem Element des Ekels, um uns die fatalen Wirkungen von Drogen näher zu bringen. Auch, dass der IQ von 100 auf etwa 70 sinken kann – “das ist dann schon eine leichte Behinderung” – wirkt auf uns Schüler recht abschreckend.


Ganz zum Schluss, gibt es noch eine sehr persönliche Geschichte für uns. Es geht um Alkohol: Partys, Koma-Saufen, Drinks. “Es war in meinem ersten Semester an der Uni. Es gab da diesen Typen, in den ich verknallt war. Und er hat mich auf eine Party eingeladen. Eigentlich war ich nicht so für’s Feiern, aber es war eben mein Schwarm und ich sagte ja. Wir gingen gemeinsam hin. Ich kannte niemanden, auch nicht den, dem das Haus gehörte. Irgendwann spendierte mir jemand einen Drink, einen selbst Gemachten. Und ich trank zwei, drei Schlückchen. Ich schwöre, mehr nicht.” Die meisten können sich denken, wo die Geschichte endet. Und tatsächlich: “Ich kann mich an nicht viel mehr erinnern.  Ich weiß nur noch, wie ich plötzlich getanzt habe. Auf dem Tisch. Und dann, wie ich von zwei Riesen durch den Flur geschleift werde. Ich wehre mich. Aber sie sind zu stark. Ich erkenne, dass einer von beiden der Typ ist, der mich zur Party eingeladen hatte. Die beiden schleifen mich ins Schlafzimmer, werfen mich auf’s Bett. Der fremde Mann verlässt den Raum, ich bleibe mit meinen Begleiter allein zurück.” Der ganze Vorlesungssaal hält den Atem an. Was jetzt kommt, damit hätte allerdings niemand gerechnet. “Glücklicherweise hatte ich damals ein bisschen mehr auf den Rippen und gerade eine Vorliebe für besonders enge Jeans. Ich sage euch also, selbst ich konnte mich nur schwer aus dieser Hose befreien. Mein Begleiter versuchte es ewig, konnte aber nichts ausrichten. Dadurch bin ich wohl nur knapp Schlimmerem entkommen. Seit dieser Nacht trage ich auf Parties nur Hosen – aber was viel wichtiger ist, dass ich nichts mehr trinke, was ich nicht kenne.”

Sie hat noch eine Geschichte auf Lager: wieder in der Uni, diesmal mit der Zimmernachbarin und einem Freund. Sie will nichts trinken, ihre Freundin nimmt einen Schluck. Es ist nichts gemischtes, legal im Supermarkt um die Ecke gekauft. Trotzdem ist sie heute froh, dass sie sich dagegen entschieden hat. Der Junge rennt aus dem Zimmer und kommt nicht wieder, als Angel’s Freundin auf dem Bett zusammenbricht. Angel ruft Hilfe, aber die Freundin hat komplett das Bewusstsein verloren. Erst nach mehr als 30 Minuten wacht sie wieder auf. “Und das war “normales” Zeug!” ruft Angel in unsere bestürzten Gesichter. “Und trotzdem konnten wir uns nicht sicher sein! Ihr könnt euch nie sicher sein, was wo drin ist, gerade weil ihr hier in Hong Kong auch fremd seid. Also verzichtet lieber. Man kann sein Leben auch ohne Alkohol genießen.” Weise Worte, die vermutlich jeder schon mal gehört und ignoriert hat. Im Hinterkopf behalten sollte man sie trotzdem.

Fotos: Anti-Drogen-Kampagnen in der Metro von Hong Kong und auf Facebook; Anti-Meth Plakat des “Montana Meth Projekts”

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