My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Zwölf Monate & ein Pinguin

Von zwei IPs (Individual Theatre Projects) habe ich euch ja schon erzählt. Inzwischen hat Tomi aus Finland auch schon das erste Mal vorgeführt, und sogar Michael spielt in dem Stück mit (ich bin ja so stolz auf meinen Co-Year ;) Das Stück hieß Twelve months and a penguin – a fragmented solitude disguised in acts und ist eine entfernte Adaption von Der Tod und der Pinguin von Andrej Kurkov. Das Stück war abstrakt – man könnte glatt sagen, es war merkwürdig, bizarr, verwirrend; aber das war wohl auch so gewollt. “Es ist schwer, ein Theaterstück nur für den Bewertungszweck zu erarbeiten. Es wird extrem frustrierend, wenn man in der Mitte einer fesselnden Idee, einer genialen Vision, steckt und gezwungen wird, sich an die Bewertungskriterien zu erinnern, mit denen man arbeiten muss,” schrieb Tomi in dem Flyer, der uns Zuschauern vor der Aufführung ausgehändigt wurde. So ähnlich formuliert es Viktor, der erfolglose Schriftsteller und unterdrückte Zeitungsautor, in dem Theaterstück auch: “Uns werden Einschränkungen gesetzt, Grenzen der Wahrnehmung.” 

Das Stück fängt schon ganz bizarr an. Ein junger Mann steht auf der Bühne, redet. Eine Person im Rollstuhl sitzt regungslos daneben. Peng! Er stürzt zu Boden, die Person springt auf. Im Publikum steht ein anderer Mann, eine Pistole in der Hand. Die beiden beginnen ein kurzes Gespräch. “Ist das unser Mann?” “Sieh doch nach.” “Woran erkenne ich ihn denn?” “Sieh, ob er ein Loch hat.” — “Er hat ein Loch.” “Dann ist es unser Mann.” “Aber … wäre dann nicht jeder unser Mann, den du erschossen hast?” Das Gespräch endet unentschieden, das Licht geht aus. Nächste Szene.

So zieht es sich durch das gesamte Stück, ob es Viktors Ideen, sein Roman oder seine Träume sind, wissen wir nicht.  Mal kommen zwei Personen auf die Bühne, schütteln sich die Hände, setzen sich. Sie trinken Tee; von Krämpfen geschüttelt fallen sie zu Boden. Wieder kommen zwei Personen auf die Bühne, schütteln sich die Hände, setzen sich. Sie trinken ebenfalls Tee; von Krämpfen geschüttelt fallen sie neben die anderen beiden. Das Licht geht aus. Ein anderes Mal liegen vier Verrückte auf dem Boden. Sie liegen und sitzen auf dem Boden und singen, immer lauter: “Sticks and stones may break my bones, but words will never hurt me!” Viktor stürzt herein, er bittet sie, aufzuhören, aber die Verrückten fangen nur an, zu schreien. Viktor wird scheinbar zu einem von ihnen. Das Licht geht aus.

Viel mehr kann man von dem Stück nicht erzählen. Der Pinguin steht 24/7 am Fenster, er beobachtet die Fliegen. Der Zeitungsredakteur setzt Viktor jeden Monat erneut unter Druck, er will Artikel sehen, und Viktor liefert nicht. Der Mann im Rollstuhl sitzt weiterhin dort, sagt während der ganzen Vorführung kein Wort, versteckt sich hinter einer Sonnenbrille. “Mehr, als die Geschichte selbst, interessiert mich das Thema – die Kreation einer existentiellen Atmosphäre, die einen nicht langweilt, aber wartend hält. Man wartet auf die Pointe, auf den Höhepunkt. Wartet nicht zu lange. Es ist die Zeit dazwischen, die wir nutzen müssen,” schreibt Tomi.

Das Stück war traumhaft – nicht nur wegen seiner Qualität, sondern auch, weil es einem wie ein Traum vorkam: verschwommene Szenen, Surrealismus, übersinnliche Kräfte, ein Paradoxon nach dem anderen. Absurdes Theater? Die Bezeichnung trifft es gut. Für einen Schüler der zwölften Klasse definitiv außerordentlich und herausragend. Mein bravo :)

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: