My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Die Show beginnt … JETZT!

Punkt 19.30 Uhr gingen überall im Schulkomplex die Lichter aus. Applaus und Jubel flammten auf und eine Horde Schüler, alle schwarz gekleidet, betraten die Bühne und legten sich auf den Boden schlafen. Es blieb dunkel, nur die begeisterten Rufe und gespannten Schreie waren zu hören. Spotlight an. Maxim, unser Finne, kam als letzter auf die Bühne – als einziger und verwirrt. Er schritt durch die Menschen am Boden und stellte sich dann in den Hintergrund. Das Licht ging aus. Die Show begann. “Sweet dreams are made of this …” 

Es folgte eine Wikingerszene – weil sie bei uns in der Unterzahl sind, haben wir im gesamten ECE den Fokus eher auf die skandinavischen Länder gerückt. Peter spielte den verloren gegangen Wikinger, der plötzlich auftaucht und kein Wort von dem versteht, was die anderen sagen. Er wird wie ein Außerirdischer behandelt, bis sich die anderen Schauspieler darüber klar sind, wo er herkommt – dann wird überlegt, was mit ihm gemacht werden soll. Sollen sie das “Ministerium für verlorene Wikinger” anrufen? Oder mit ihm essen gehen? Die Lösung ist typisch LPC – erstmal wird Party gemacht: mit Rolling in the Deep und Voldtægtsmann :D

Im nächsten Sketch ging es um Caesar und wie er sein Imperium aufbaut: Frankreich und Großbritannien, am Ende Ägypten – nur leider hat er “Wein und Hügel” auch bei sich zu Hause und in den Flüssen werden nicht “Gold und Silber fließen”: Bilder der Eurokrise werden gezeigt, ein großes Eurozeichen schlägt Rad, Banker stehen ratlos im Hintergrund. Caesar spricht von Blumen und Schönheit: Bilder von Armut und Müllanlagen werden mit dem Beamer an die Wand geworfen; er spricht von edlen Staatsmännern: Berlusconi (gespielt von unserem Franzosen Quentin) läuft mit zwei hübschen Mädchen über die Bühne. Am Ende bleibt nur eine kleine Gruppe auf der Bühne – Menschen aus unserer Zeit, die gerade erlebt haben, wie Caesars “Europa” untergegangen ist: “Wartet, wartet!”, ruft unser Spanier, “wenn ihr sagt, Europa ist fort … meint ihr damit auch Ibiza?” Klar, meinen wir. Und man erinnert sich an das Leben in Ibiza:

Peter, der einen Schweden spielt, bleibt als letztes auf der Bühne: “Soll ich euch mal zeigen, wie man richtig tanzt?” ruft er – und dann legt er los: How to rave, so heißt die Szene und soll zeigen, wie Schweden tanzen: u.a. mit “Äpfel pflücken”, “Pilze sammeln”, “Kuh melken” u.v.m. :D

Nein, damit können wir Mädchen nun wirklich nichts anfangen. Zwei Mal wird geklatscht, und ein Schwarm aus rot und schwarz tanzt uns springt auf die Bühne – Röcke flattern und wedeln, die langen Beine werden zum Himmel gestreckt – endlich: es ist Zeit für unseren Can Can! ;)

Die Iren sind damit aber auch nicht einverstanden: “Diese Freizügigkeit! Nein, wir brauchen eindeutig mehr Konservatives hier!” – es beginnt der Irische Tanz. Um zu kontern, folgen dann aber auch gleich die Spanier: rote Bänder um die Hüfte, weiße Hemden, enge schwarze Hosen; die Mädchen in langen schwarzen Kleidern. Flamenco!

Um die Weihnachtsstimmung der letzten Tage (und eigentlich Wochen) aufzugreifen, durften natürlich auch Weihnachtslieder nicht fehlen. Somit vereinten sich all Europäer zu einem Chor, der hoch oben im zweiten Stock am Geländer stand, mit Kerzen in der Hand, und “Sankta Lucia” sang. Der Wind pustete uns zwar die ganze Zeit die Kerzen aus, aber der Gesang brachte eine unglaublich warme Atmosphäre in den Courtyard – danach sang die Acapella-Gruppe noch etwas :)

Nach all den modernen und auch traditionellen Tänzen durfte eine Sache natürlich nicht mehr fehlen – und da wir so viele Ballerinas an unsere Schule haben, bekamen sie glatt eine eigene Szene: Schwanensee und der Nussknacker! Respekt!

Da wir die Europa- und Eurokrise vorher schon angesprochen hatten, durfte jetzt natürlich auch einer der Rettungsgipfel nicht fehlen. Berlusconi, Merkel, Sarkozy, Carla Bruni, Roman und Cameron saßen zusammen an einem Tisch und diskutierten über die neusten Tagespunkte: Klimawandel, Finanzkrise, EU-Beitrittsanfrage der Türkei und der Eurovision Song Contest. Jeder einzelne der Punkte wird schnell vertagt, nur bei ESC wird heftig diskutiert: wer darf diesmal gewinnen? “Lasst es uns so machen, wie wir auch die Wirtschaft regeln – holt das Rad!” Ein riesiges Glücksrad wird hereingerollt, getroffen wird Azerbajian. Fragende Blicke: “Wo ist das? Liegt das in Europa? Wie schreibt man das?” Bei Wikipedia wird schnell nachgeguckt; zumindest liegt das Land in Europa. Damit ist die Sache erledigt und das Entertainment wird herein gerufen. Der Tanz, an dem Michael und ich stundenlang mit unseren Tänzern gefeilt haben. bekommt endlich seinen großen Auftritt: Walzer :)

Danach folgte die “Bohemian Rhapsody”, bei der die Tänzer sprichwörtlich in die Luft gingen – eine Mischung aus modernem Tanz und Akrobatik!

Und ganz zum Schluss, noch bevor der Papierschnee auf uns alle herab rieselte, gab es den ultimativen Abschlusstanz: ein solcher darf nämlich niemals fehlen! Ein letztes Mal kamen alle Europäer auf die Bühne: “So bunt wie möglich” hatte der Dresscode gelautet und nun bewiesen wir, dass auch Europa tanzen kann!

Am Ende holten wir alle auf die Bühne und ließen sie mit uns tanzen und herumschreien. Alle umarmten sich, es gab Freudenschreie und Freudentränen – wir hatten es geschafft. Die Stunden, Tage und Wochen der Vorbereitung haben sich gelohnt. Wir waren die glücklichsten Menschen der Welt :)

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