My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

I Believe In Change

Nach einer letztenendes doch sehr anstrengenden, aber auch unglaublich spannenden Woche ging dann aber auch der Freitag zu Ende. Bevor wir uns gänzlich von den Kindern trennten, gaben wir noch eine kleine Performance. Wir tanzten und sangen, und Alisher, Jason und Garreth, unser kleines Trio, haben zwei Stücke vorgespielt. Der Rest der Gruppe tanzte dann Flamenco (mein Partner war unser Spanier *_* ;), und von uns entworfene oder gefundene Choreografien zu Waka Waka, Tik Tok und dem Banana Dance, den ihr ja schon von unserem Jungle-Café kennt. Weil die Kinder anstatt von einer Schulklingel wie gesagt immer ein “Propagandalied” vorgespielt bekommen haben, und das somit vier, fünf Mal am Tag hören, haben wir für sie auch das gesungen: “Zai zhōng-guó li, wo men shi yi jia ren!” Wir sangen auch noch ein christliches Lied auf Chinesisch, worüber sich vor allem die Erzieherinnen freuten, weil sie das Lied den Kindern auch schon beigebracht hatten:

wo yao xiang gao shan ju mu (lift my eyes up to the hills) – wo de bang zhu cong he lai (where does my help come from) – wo de bang zhu cong zao tian di de ye he hua er lai (it comes from the creator of heaven and earth) – ha li lu ya ha li lu ya ha li lu ya ha li lu (hallelujah hallelujah hallelujah hallelu) 

Die Kinder haben sich ziemlich gefreut und am Ende auch noch für uns ein Lied über Freundschaft gesungen. Danach gab es Süßigkeiten :) … und nun war aber leider auch die Zeit gekommen, dass wir uns verabschieden mussten. Wir würden noch eine kurze Auswertung mit der Heimleiterin haben, dann ins Hotel und am nächsten Tag zurück nach LPC fahren. Ich glaube, die Kinder haben am Anfang nicht ganz verstanden, warum sie sich jetzt verabschieden müssen, und auch nicht, warum die allermeisten von uns angefangen haben, zu weinen. Aber sie haben uns gedrückt und getröstet und auf Chinesisch mit uns geredet. Es war ziemlich berührend. Wir kannten diese Kinder erst gut drei Tage, hatten uns nur durch Zeichensprache und Wortfetzen unterhalten können, und trotzdem war der Abschied sehr sehr schwer.

Die Tage mit diesen Kindern, das Leben mit ihnen, haben mich so sehr verändert; das kann man gar nicht wirklich in Worte fassen. Unsere Bindung an die Kinder ist viel stärker geworden, als wir uns das alle hätten träumen lassen. Zum Abschied wurde ich von unterschiedlichen Kindern Freundin, Schwester und zum Schluss auch Mutter genannt – und das bringt mich zum einen immer noch zum Lächeln, zum anderen bricht es einem das Herz, so etwas von einem Kind zu hören, dass von seinen Eltern ausgesetzt und verstoßen wurde, und einen erst seit nicht mal einer Woche kennt. Mir ist in diesen Momenten des Abschieds wieder einmal bewusst geworden, wie sehr ich meine eigene Familie in den letzten Wochen vermisst habe, und ich freue mich jetzt schon sehr, in weniger als drei Wochen endlich für die Weihnachtsferien zu Hause zu sein :)

Diese Woche in dem Waisenheim in China, sie hat mich sehr verändert; aber sie hat mir auch gezeigt, dass ich etwas verändern und bewirken kann und das gibt mir unheimlich viel Hoffnung für meine Zukunft. Ich glaube, das war auch irgendwie das Ziel der China Woche: nicht nur, dass wir etwas tun, sondern auch, dass wir uns darüber bewusst werden, warum wir das tun. Egal, was man macht, man sollte einen Sinn dahinter sehen – und am besten einen finden, der nachhaltig ist, und auch anderen etwas bringt.

In der Auswertung haben wir genau darüber gesprochen, und auch viel über unsere Gefühle und Erfahrungen mit den Kindern – was sie uns erzählt oder mit uns gemacht hatten. Grace, die Heimleiterin, erzählte v.a. von dem christlichen Einfluss auf die Kinder: “Bevor wir die Kinder mit Religion in Verbindung gebracht haben, hat sich in ihrem Verhalten nicht viel verändert, aber als wir mit dem Singen und Beten anfingen, haben die Kinder sich schnell verändert. Sie sind viel höflicher und anständiger geworden und Gott ist aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Es gibt ihnen Kraft und Hoffnung, dass es da jemanden gibt, der überall auf sie aufpasst.” Die Haltung der Kinder zu Gott haben wir schon vorher bemerkt – als ich vor dem Essen nicht betete, da ich nicht religiös bin, hat mir das eine Kind die Hand auf meinen Arm gelegt und meinte auf Chinesisch, dass ich doch noch beten müsse, und wollte mich nicht vorher essen lassen. Chloé hat ihm dann erklärt, dass er doch anfangen solle und wir haben ihm zugesehen, wie er die Augen geschlossen, die Hände gefaltet, etwas Chinesisches gemurmelt und dann laut “Amen” gerufen hat. Auch beim Abschied waren ein paar Kinder herum gelaufen und hatten einfach so die ganze Zeit “Jesus liebt dich!” gerufen – und Jason hat Briefe (“Gott liebt dich”) und ein Papierkreuz gebastelt bekommen. Wie ihr seht, scheint Religion für diese Kinder wirklich sehr wichtig zu sein – dabei ist es schon sehr riskant, in China überhaupt ein christliches Projekt zu starten. Es lohnt sich offensichtlich auf jeden Fall.

Am späten Abend fuhren wir dann zurück ins Hotel – die Kinder hatten vorher noch für uns gebetet und uns einen guten Flug gewünscht. Mit vielen, vielen Erinnerungen und Eindrücken flogen wir am Samstag zurück nach Hongkong und kurz vor dem Abendbrot konnte ich endlich wieder auf meinem eigenen Bett verschnaufen. Ich habe viel aus dieser Woche mitgenommen und sehr viel gelernt – nicht nur für jetzt, sondern für’s Leben, würde ich behaupten. Ich werde noch lange über meine Erfahrungen nachdenken und hoffentlich bleibt dieser Gedanke, etwas verändern zu wollen, noch sehr sehr lange in meinem Kopf.

Sei du selbst die Veränderung, die die dir wünschst für diese Welt. Mahatma Ghandi

Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen. Antoine de Saint-Exupery

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