My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Weiße Wände

Mittwoch  Wir sind schon viel weiter gekommen. Bald sind wir mit dem Schmirgeln fertig. Inzwischen habe ich den Campus noch ein bisschen mehr erkundet. Die Kinder haben hier eine kleine “Bandgarage”, in der zwei Keyboards, ein kleines Schlagzeug, Flöten und Gitarren stehen. In den Pausen können die Kinder sich hierher zurück ziehen und üben – viel machen das auch, und die Schlagzeuger, Sänger und Gitarristen, die hier leben, sind wirklich erste Sahne! :)

Wenn die Kinder gerade keinen Unterricht haben, spielen wir laute Musik, und die Kinder singen die Refrains nach einer Weile mit. Immer, wenn die Kinder irgendwo hinmüssen – zum Unterricht, zu den Hausaufgaben, zum Essen – dröhnt Musik aus den Lautsprechern: ” Zai zhong guo li, wo men shi yi jia ren …” – In China sind wir eine große Familie. “Propaganda”, sagen unsere Hongkonger Schüler. Auch, als wir die Wände bemalen und die Formen von Delfinen, Leuchttürmen etc. vorzeichnen, müssen wir unsere “Welt” noch mal anders malen – es geht ja nicht, dass man nur Amerika und Europa sieht. “Wenn China da nicht mit drauf ist, können die hier ernsthafte Probleme bekommen”, erklärt uns Beta – nun ja, dann machen wir das eben neu; und nun ist China in der Mitte ;)

So langsam gewöhnten wir uns auch daran, mit den Kindern um zu gehen. Es ist ziemlich schwierig, mit Kindern zu spielen, deren Stimmung binnen Sekunden von fröhlich zu aggressiv, dann zu apathisch und dann zu traurig. Aber wir lernen, das zu handhaben und haben viel Spaß mit den Kindern.

Am Ende des Tages haben wir mit Spateln, Eisenbesen und viel Sandpapier gut 150qmgesäubert, geschmirgelt, grundiert und weiß gestrichen. Das war eine Arbeit!

Bei der Anstrengung haben wir uns die Mahlzeiten wirklich verdient. Die kosten das Heim wenig Geld, schmecken aber viel besser, als unser Kantinenessen – und sind definitiv gesünder. Tintenfisch, Shrimps, Tofu, Spinat, Blumenkohl, sehr fettiges Fleisch und natürlich Nudeln werden jeden Tag zum Mittagessen ein bisschen anders kombiniert. Die Kinder holen ihr Essen durch ein Fenster zur Küche und setzen sich dann irgendwo draußen hin. Die Art, zu essen, ist hier etwas ganz besonderes, zumindest habe ich das so empfunden. Die Schüssel wird zum Mund geführt und am Kinn angesetzt, dann schaufelt man sich mit den Stahl-Stäbchen alles, was einem gerade vor der Nase herum schwimmt, in den Mund. Dadurch sieht man nicht genau, was man isst, und ist weniger wählerisch.

Vor dem Abendbrot waren unsere Hände voller Farbe und wir verbrauchten eine Unmenge Terpentin, um uns die Hände zu “waschen”. Gerade, als ich mir einen der Terpentinlappen nehmen wollte, kam mir ein kleiner Junge zuvor, der sich schon den ganzen Tag lang in meiner Nähe gehalten hatte. Er nahm mich wortlos bei der Hand, nahm meine bunten Hände in seine kleinen Finger und fing an, mir die Farbe abzuschrubben. Dabei sah er mich mit schiefen Kopf an und lächelte vorsichtig – als ich ihm “hen hao” versicherte (“sehr gut”), lachte er und hörte nicht auf, bis meine Hände ganz sauber waren. Dann nahm ich seine kleinen Hände in meine und tat dasselbe. Bis zum Abendbrot blieb er bei mir *_*

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