My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Morgens in Mong Kok

Es ist halb zehn, morgens. Mein Rucksack ist gepackt, die Wasserflasche gefüllt und mein restliches Geld gezählt: es kann losgehen. Kamera in der Hand, dicker Ersatz-Pullover in der Tasche, Röyskopp in den Ohren und ein breiten Lächeln auf den Lippen mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Ich habe ein paar Leute gefragt, ob sie mitkommen wollen, aber die meisten wollen den Samstag zum Arbeiten nutzen, oder schlafen noch.

Wohin ich will, weiß ich selbst nicht so genau. Ich schlage meinen Reisführer auf: “Top Ten Hongkong”. Jetzt kann ich ihn gut gebrauchen. Ich schließe die Augen und schlage das Buch auf. Seite 88, Mong Kok: “Flower Market” und “Bird Garden” gibt es dort, zwei scheinbar sehr schöne Märkte, und auch die Boundary Street zieht sich in der Gegens, wie mit dem Lineal gezogen, durch Mong Kok. “Die Boundary Street war von 1860 bis 1896 die Grenze zwischen China und dem Britschen Hong Kong”, informiert mich mein Reiseführer. Klingt interessant.

Ich löse mein Ticket nach Mong Kok – die 45-minütige Fahrt kostet 8.50 HK$, umgerechnet etwa 85 ct. An der Station “Prince Edward”  steige ich aus.

Kurzer Moment der Orientierung, dann laufe ich schnurstracks in die falsche Richtung. Das fällt mir natürlich erst auf, als ich die Seitenstraße, die ich suche, auch nach der dritten Kreuzung noch nicht gefunden habe. Es geht also den ganzen Weg wieder zurück. Die Autos stehen im Stau und verstopfen die kleine Straße, ein weißer DB Schenker Lastwagen schiebt sich langsam nach vorne. Es ist noch nicht mal Mittag, aber schon ziemlich warm; die Menschen halten sich im Schatten, jedes schmutzige Detail der Häuser ist zu erkennen.

Endlich finde ich sie, die “Prince Edward Road”, und lass mich von der Menschenmenge den Fußweg entlang schieben. Ich verlagere den Rucksack nach vorne und lasse mich treiben. Das Geschrei der Menschen übertönt den Verkehrslärm, der Geruch von Schweiß und frisch Gebackenem mischen sich mit der staubigen Luft. Ich entkomme der Menge und werde auf einen kleinen Platz gespült, in dem sich asiatische Frauen auf Fußmatten gesetzt haben und meditieren oder sich gegenseitig den Rücken massieren. In der nächsten Straße fängt ein kleiner Markt an, in der anderen Richtung geht es zum “Flower Market”. Ich zögere kurz, beschließe dann aber, zuerst den Markt um die Ecke zu besichtigen. Ich werde sowieso inzwischen in die Richtung geschoben, und vielleicht kann ich da auch etwas entdecken.

Es ist einer der für Mong Kok wohl typischen Märkte: Stände quetschen sich zusammen in die enge Straße, von Unterwäsche über Tintenfisch hin zu Dolce & Gabbana -Taschen und Angry-Birds-T-Shirts wird hier scheinbar alles angeboten. Die Preise variieren von spottbillig bis hin zu übertrieben teuer, ich sehe viele alte Frauen beim Verhandeln. In Höchstgeschwindigkeit und noch höherer Tonlage klingt es fast, als würden sie schimpfen. Schuhe gibt es vor allem in kleinen Größen, die wenigsten sind ohne Absatz oder Plateau; es herrscht Ausverkauf.

Ich schlendere eine Weile durch die Straßen, dann folge ich doch den Schildern zum “Flower Market”. Ein richtiger Markt ist es ja nicht, nur eine lange Straße, in der sich ein Blumenladen an den nächsten anschließt. Der Großteil des Weges ist mit Vasen, Kisten und Blumensträußen bedeckt, nur etwa 50 cm kann man als Fußgänger nutzen- und sogar dieser kleine Platz wird von einer Unzahl von Menschen belagert. Alle haben es offensichtlich eilig, hetzen mit großen Blumensträußen durch die kleine Straße. Ein schwerer Blumengeruch liegt in der Luft; Lilien, Rosen und Orchideen werden in allen erdenklichen Farben angeboten. Aller paar Minuten fährt ein schwarzes Auto vor, jemand in Anzug (und teilweise giftgrüner Fliege! :) springt heraus und kehrt kurz darauf mit einem Untier an Blumenstrauß zurück. In der Viertelstunde, die ich brauche, um die Straße komplett abzulaufen, fahren drei Hochzeitswagen vor.

Bevor ich mich auf den Weg zum “Bird Garden” mache, besorge ich mir bei 7Eleven, einer Drogeriekette, ein Schinkensandwich – schließlich ist es Mittagszeit, und ich habe Hunger. Auf einer Bank vor einem Karpfendenkmal kaue ich vor mich hin und beobachte die Menschen, die vorbei laufen, höre dem Lärm der Autos zu und genieße bei 28°C die Herbstsonne.

Advertisements

Comments on: "Morgens in Mong Kok" (1)

  1. Hey, wenn ich nicht aus Hong Kong kommen würde, würde ich Hongkong wegen deinem Blog unbedingt besuchen wollen! :)

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: