My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Schwarz-Weiß

Das Thema meines zweiten Workshops war “Apartheit in Südafrika”. Hayley, meine Hausmentorin, die in Südafrika aufgewachsen ist, und meine Mitschülerin Khetiwe (gesprochen: Kettiwäh) erzählten von ihren persönlichen Erfahrungen und wie die Apartheit in ihrem Heimatland zustande gekommen war. Ganz am Anfang fragten sie uns, was wir persönlich unter dem Begriff Rassismus verstehen und forderten uns auf, uns an Situationen zu erinnern, in denen wir Rassismus begegnet waren.

“Ich bin effektiv als weiße Südafrikanerin aufgewachsen”, erklärte Hayley, “ich gehörte also zu den Bevorzugten, und das war normal für mich. Ich hinterfragte die strikte Trennung zwischen weißen und schwarzen Stränden nicht, mich wunderte nicht, dass die Weißen viel größere Läden hatten, als alle anderen.” Ihre ganze Kindheit und Jugend hindurch merkte sie kaum, dass etwas nicht stimmte. “Manchmal gab es kleine Aufstände in den nahe gelegenen “Townships”. Meine Schule wurde dann geschlossen, wir mussten alle nach Hause gehen und uns wurde eingetrichtert, nicht in die Nähe der Schwarzen zu gehen – mehr erfuhren wir nie.” Auch in der Schule wurde nur weiße Geschichte behandelt. “Wir lernten höchstens, dass die Schwarzen böse sind und unser Land nehmen wollen.” Getrennte Viertel, Bänke und Schulen? Hayley kennt das noch gut.

“Wir hatten einheimische Haushalthilfen. Ich kann mich noch sehr gut an ein Gespräch erinnern, dass ich mit einer unserer Gehilfen geführt habe: es war im Sommer, und ich lag, wie heute auch noch, immer sehr gerne in der Sonne, um mich zu bräunen. Wir hatten ein großes Haus mit Terrasse und Pool – das war damals noch viel billiger als heute. Diese ältere schwarze Frau kam also vorbei und sagte völlig verblüfft: Ist es nicht merkwürdig? Du möchtest schwarz sein, und ich möchte weiß sein. Damals habe ich das nicht verstanden.”

Erst Jahre später erfuhr Hayley, was eigentlich los war. Von Nelson Mandela hörte sie erst, als sie vor dem Studium ein Jahr außer Landes war – in England und Israel. “Dort fragte man mich nach der Apartheit, nach den Aufständen. Und ich hatte keine Ahnung.” Als sie zurück nach Südafrika kam, wollte sie wissen, warum ihre Eltern ihr nie etwas gesagt hatten. “Meine Mutter sah mich nur traurig an und meinte: Ach, Kind – was kann ein Mensch schon ausrichten. Damit war das Thema erledigt.” Während des Studiums kaufte sich Hayley viele Bücher, um ihren Bekannten in Südafrika die Situation um sie herum zu “beweisen”. “Man durfte solche Bücher aber nicht importieren, also musste ich die Umschläge abmachen, und markante Wörter und Seiten herausschneiden, damit man nicht erkennt, was ich da reinschmuggle.”

Seitdem hat sich Hayley viel mit Rassismus, Apartheit und der Geschichte Südafrikas beschäftigt – entsetzt darüber, wie sie selbst jahrelang nichts gesehen und nichts getan hatte. “Mein Jahr im Ausland hat mich in dem Punkt total verändert. Als ich zurück nach Südafrika kam, war ich ein anderer Mensch.” Am Ende des Workshops gab sie uns noch ihr Lieblingszitat zum Thema mit:

“Once you have heard the story, it becomes your story. What you do with what you heard is up to you, but you can not pretend that you never heard.”

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