My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Kampf ums Überleben

Mein erstes Treffen mit der “Initiative für Frieden” bestand aus einer kurzen Vorstellungsrunde, der Präsentation der Ziele der Gruppe und einem Spiel. Die Initiative beschäftigt sich vor allem mit den Themen Konfliktmanagement und Organisation. Wir werden lernen, wie man Konflikte friedlich löst, die Grundsätze von Diplomatie erkunden und am Ende des Schuljahres eine große Friedenskonferenz mit philippinischen und LPC-Schülern abhalten. Bei der werden wir Spiele, wie das folgende spielen, um den anderen Schülern ein Gespür für friedliches Konfliktmanagement und friedliche Argumentation zu geben.

Am Anfang des Spiels wurden alle Mitglieder in zwei Gruppen eingeteilt, und jeder bekam einen Zettel, auf dem eine Person stand, die er oder sie nun darstellte. Es gab folgende Zettel:

Du bist der Kopf des Staates Belgien. Du sprichst nur Französisch.

Du bist eine 45-jährige alte Biologielehrerin aus Pakistan.

Du bist ein 17-jähriges schwarzes Mädchen aus Israel. Du hast Diabetes und brauchst Medizin.

Du bist eine 20-jährige, komplett gesunde Prostituierte.

Du bist 22 Jahre alt. Du leidest unter Magersucht und Schlafstörungen.

Du bist ein 23-jähriger chinesischer Schwimmer von den olympischen Spielen. Du bist schwul. 

Du bist eine 18-jährige amerikanische Wirtschaftsstudentin. Du bist von deiner Religion sehr überzeugt und bevorzugst Menschen mit deiner Religion sehr stark. 

Du bist ein 57-jähriger ICT-Experte. Du sitzt im Rollstuhl.

Du bist ein 60-jähriger Priester. 

Du bist ein erfolgreicher Arzt. Du hast vier Kinder aus drei Ehen und hast eine Geschichte von häuslicher Gewalt. 

Du bist eine 60-jährige Großmutter und 5-Sterne-Köchin aus Grönland.

Du bist ein 37-jähriger bewaffneter Polizist, stark und reif und bist insgeheim ein Mitglied des Ku-Klux-Klans (rassistische Organisation).

Nun wurde uns das Problem mitgeteilt: in fünfzehn Minuten würde die Welt untergehen, aber Gott hat einen kleinen Unterstand gebaut, der vier von uns überleben lassen würde. Wir sollten entscheiden, wer überleben darf. In unserer Gruppe entschieden wir nicht nach dem Prinzip des “Privilegs” sondern ganz einfach nach Ausschlussverfahren. Zuerst schieden alle über vierzig aus, dann der rassistische Polizist. Die betroffenen duften argumentieren und diskutieren, aber besonders das KKK-Mitglied hatte keine Chance und wurde einstimmig raus-gewählt. Danach stimmten wir ab, dass alle mit Krankheiten oder mentalen Störungen gehen mussten, also die 17-jährige Diabetikerin und die Magersüchtige.

So blieben nur noch fünf Menschen übrig und vier davon waren dafür, dass der belgische Politiker gehen sollte – wir meinten, Politik würde schon in dieser Welt genug Probleme verursachen, da bräuchten wir nicht noch jemanden, der das in der nächsten weiterführt … und wer braucht schon ein Staatsoberhaupt, wenn eh nur vier Menschen überleben. Den Arzt, der wegen häusliche Gewalt aufgefallen ist, ließen wir überleben, weil er eben Arzt war, und wir meinten, dass wenn es zu einem Konflikt käme, der olympische Schwimmer ihn unter Kontrolle bringen könne.


Es blieben also in unserer Gruppe: der schwule Schwimmer; die Prostituierte; der Arzt und die Wirtschaftsstudentin. Wir hatten sogar dafür gesorgt, dass Nachkommen gezüchtet werden können ;)

Das Spiel war sehr interessant, vor allem, weil Argumentation irgendwie absolut keine Rolle gespielt hat. Meistens waren sich alle einig, einen raus zu werfen – einer, der dafür war, dachte sich einen Grund aus, und der galt dann. Es war mehr ein “Wer sollte nicht überleben”, als ein “Wer darf überleben”. Dieses Spiel werden wir zum Beispiel auch bei der Konferenz spielen, und ich kann es euch nur empfehlen – wer hätte bei euch überlebt? Denkt dran, ihr habt nur eine Viertelstunde, dann muss entschieden sein, wer die nächste Welt bevölkert und wer nicht…

Viel Spaß! =)

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Comments on: "Kampf ums Überleben" (3)

  1. Wer warst du denn?

  2. da bin ich aber froh ; )

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