My Life at Li Po Chun United World College of Hong Kong 2011-2013

Sechs Uhr morgens wurden wir geweckt. Die erste Sensation war ein Gecko, der am Fenster saß und gerade eine Motte sah. Schon am vorherigen Abend hatte ich draußen an den Wänden überall kleine Geckos gesehen – aber jetzt war er richtig nah!

Draußen waren Tische mit einem ersten Frühstück aufgebaut: Obst und Toast, Erdnussbutter, Marmelade und Nutella standen bereit, und außerdem große Kanister mit frischem Wasser. Hungrig, und in dem Wissen, das wir einen weiten Weg vor uns haben würden, stürzten wir uns auf das Essen. Die Secondyears waren ein bisschen neidisch: bei ihnen hatte es letztes Jahr kein Nutella gegeben – das ist hier in Hongkong nämlich auch unglaublich teuer.

Wir hatten gut eine halbe Stunde Zeit, dann schulterten wir unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg. Die Secondyears hatten natürlich keine Ahnung, wo es hingehen sollte, alles, was uns gesagt wurde, war etwa: “den Berg hoch, auf der anderen Seite runter, dann sind wir ein bisschen am Strand, und dann geht es zurück!” Das war eine sehr freundliche Beschreibung dessen, was uns in den nächsten vier Stunden erwartete, und deswegen war die Vorfreude noch groß, als wir begannen zu laufen – dementsprechend lachten wir da noch =)

Der Berg war nicht nur irgendein Berg, sondern hatte meistens einen Anstieg von etwa 25°. Der Weg war zwar gepflastert (was in einem Nationalpark, der an einen Urwald erinnert, durchaus ein Pluspunkt ist), aber trotzdem anstrengend. Im Wald war es noch feuchter, als außerhalb: durch die Nähe zum Wasser  – und damit die Frischluftzufuhr – war es im Camp sehr angenehm gewesen. Das Gute an der Sache war, dass wir durch die großen Bäume und Blätter vor der Sonne geschützt waren.

An Insekten und Tieren gab es in dem Wald alles: einige Mädchen vor mir in der Reihe schrien plötzlich auf, als genau am Wegesrand, wie zur Absperrung des steilen Abhangs, an dem sich der Weg entlang hangelte, ein gigantisches Spinnennetz hing – voll mit kleinen glitzernden Tautropfen, und in der bewacht von einer großen gelb-schwarzen Spinne, die mit ihren Beinen locker meine Faust umspannen könnte. Die ganze Wanderung lang wurden wir auch von vielen Mücken, Bienen und besonders großen Libellen begleitet, und irgendwann stand mitten auf dem Weg ein großer schwarzer Bulle, der uns müde ansah, ein bisschen mit dem Kopf wackelte und dann weiter fraß!

Als wir anderthalb Stunden Quälerei endlich wieder auf der anderen Seite am Fuß des Berges ankamen, waren die meisten schon total k.o. Wir passierten ein kleines heruntergekommenes Dorf, das zur Hälfte aus provisorischen Müllkippen und zur Hälfte aus alten, zerfallenen Wohnhäusern bestand. Hunde liefen frei herum, und schiefe Schilder deuteten an, dass hier mal diverse Clubs und Surfverleihe existiert hatten. Nun blätterte die Farbe von den Häusern, alte rostige Maschinen und kaputte Plastikstühle lagen in den vertrockneten Gärten, und die Menschen hinter staubigen Gardinen beobachteten uns  misstrauisch.

Am Strand setzten und legten sich die meisten erst einmal in den Sand – einige plantschten auch im Wasser herum, aber wir durften “wegen der Strömung unter keinen Umständen!” schwimmen, wie Michèle und die anderen Lehrer uns auf dem ganzen Weg schon eingeschärft hatten. Manche spielten Spiele und tobten herum, aber ich legte mich in den Sand, bedeckte meinen Kopf mit der weißen Bluse, die ich anhatte, und döste vor mich hin. Kleiner Tipp: niemals mit blanker Haut in den Sand legen, wenn man gerade die anstrengendste Wanderung seines Lebens hinter sich hat – der Sand geht nicht so schnell wieder ab ;D

Der Weg zurück ins Camp schien uns allen viel angenehmer und kürzer – vermutlich, weil wir uns vorher nicht auf die Anstrengung und Dauer des Trips vorbereitet hatten. Endlich wieder in der Jugendherberge angekommen, gab es sofort eine riesige Traube Schüler, die alle mal an den Wasserschlauch wollten, um sich zu erfrischen.

Es gab auch ein zweites Frühstück – diesmal auch mit Cup Noodles, also Instantnudeln im Becher: die sind hier am LPC für die meisten Grundnahrungsmittel N°1.

Nach dem Frühstück packten wir unsere Sachen zusammen und wanderten wieder eine Stunde auf einem ähnlichen Weg zum Bus. Der brachte uns dann zurück zum College. Ich war so erschöpft, von dem insgesamt fünf Stunden langem Wandern, dass ich auf den bequemen Sitzen unter der Klimaanlage sofort einschlief.

Das LPCUWC bringt uns hier wirklich an unsere Grenzen – nicht nur schulisch. Wir machen völlig neue Erfahrungen bezüglich dem, wer wir sind und was wir können – besonders, wenn wir zusammenhalten.

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Comments on: "Spinnen, Schweiß und Sandstrand" (2)

  1. Hallo Lara,

    also irgendwie kommt mir das Alles dann doch irgendwie bekannt vor: Erst ankommen, kurz darauf weiter in die Wildnis, die riesigen Wasserkanister (Wurde euch nahegelegt, kein Leitungswasser zu trinken?), eine Wanderung der etwas anderen Art, heruntergekommene Dörfer. Und auch Instantnudeln gibt es scheinbar auf auf der ganzen Welt.
    Wie ähnlich doch Dinge sein können, und dass, obwohl sie tausende Kilometer voneinander entfernt sind.

    Viel Spaß weiterhin…

    Liebe Grüße
    Jens

    • hongkongcitygirl said:

      Leitungswasser gab es so gut wie keins – nur in den Bädern, die aber so eklig waren, dass wir uns da kaum rein trauten. Überall Rost, Dreck und Schimmel gab’s da bestimmt auch. Die meisten haben sich diesen einen Abend nicht mal Zähne geputzt, weil sich keiner an die Wasserhähne getraut hat! oO

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